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Liebe Anna, danke, dass du dir die Zeit genommen hast, uns ein paar Fragen zu beantworten.

Das Heizen mit Holz wird aus verschiedenen Gründen immer beliebter. Was sind die Vorteile von Holz verglichen mit anderen Brennstoffen?

Ganz klar die CO2-Neutralität und die niedrigen Brennstoffkosten! Holz verbrennt CO2-neutral, wenn es wie in Deutschland aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern stammt. Der Wald ist in Deutschland ein großer Wirtschaftsfaktor, so dass durch die Holznutzung Wertschöpfung in der Region verbleibt und nicht wie bei fossilen Brennstoffen zum großen Teil im Ausland.

Trotz aller Krisenmeldungen wächst der Wald – und wenn wie bei Pellets und Hackschnitzeln Reststoffe für die Wärmegewinnung genutzt werden, ist das ein sinnvoller Kreislauf. Was viele nicht wissen, ist, dass im Sägewerk nur rund 60 Prozent eines Holzstamms zu Brettern und Balken verarbeitet werden können. Darin wird das CO2 dann beim Möbel- oder Hausbau über Jahrzehnte gebunden und der Atmosphäre entzogen. Aus den restlichen 40 Prozent kann Holzenergie gewonnen werden. Die CO2-Bilanz ist dabei fast die gleiche, als wenn das Holz im Wald verrottet. Aus diesem Grund gilt der ab 2021 kommende CO2-Preis auch nicht für Holzbrennstoffe. Mit dem Heizungstausch von Öl zu Pellets kann soviel CO2 eingespart werden, wie mit keiner anderen Maßnahme im Haushalt, sei es Ökostrom, der Verzicht auf die Flugreise oder ein Elektroauto.

Bild: Zertifizierte Pellets
EN-plus zertifizierte Pellets | © DEPI

Häufig hört man von Holzöfen und Pelletheizungen. Es gibt aber auch noch andere Heizsysteme, die mit Holz als Brennstoff arbeiten.

Welche gängigen Holzheizungen gibt es neben der Pelletheizung?

Die Pelletzentralheizung und auch Pelletkaminöfen fürs Wohnzimmer sind die „jüngsten“ Familienmitglieder. Für die Wärmeversorgung des ganzen Hauses gibt es auch Hackschnitzelheizungen oder Scheitholzvergaser. Im gewerblichen Bereich werden auch KWK-Anlagen mit Hackschnitzeln oder Pellets eingesetzt, mit denen gleichzeitig auch Strom erzeugt werden kann. Für diese Anlagen ist ein hochwertiger, möglichst gleichförmiger Brennstoff notwendig.

Daneben gibt es noch Scheitholz- oder Kachelöfen und offene Kamine. Gerade in letzteren ist die Verbrennung aber nicht besonders effizient und auch nicht sauber. Daher gibt es gesetzliche Vorschriften, nach denen die alten Öfen nach und nach durch moderne, saubere, wie z. B. Pelletkaminöfen, ausgetauscht werden müssen. Für sauberes Heizen in Öfen bieten sich übrigens Holzbriketts an – sie werden wie Pellets aus Reststoffen wie Sägespänen hergestellt und sind daher im Vergleich zu Scheitholz einfach und sauber in Anwendung und Dosierung. Zudem verbrennen sie gleichmäßig und rückstandsarm.

Sinnvoll ist es in vielen Fällen, verschiedene Erneuerbare zu kombinieren. Der Klassiker ist die Pelletheizung mit Solarthermie: Im Sommer kann die Pelletheizung ausgeschaltet werden, da die Solaranlage das warme Wasser alleine bereitstellen kann. In der Übergangszeit unterstützt sie die Heizung und spart Brennstoff. Im Winter wird dann ein behagliches Temperaturniveau mit der Pelletheizung erreicht. Gerade im Neubau hat sich auch die Kombination von einer Wärmepumpe mit einem Pelletkaminofen bewährt: Der Ofen im Wohnzimmer sorgt für Gemütlichkeit und an besonders kalten Wintertagen dämpft er die Stromrechnung.

Worin unterscheiden sich die verschiedenen Holzheizungen?

Die wichtigsten Unterschiede sind die Brennstoffzuführung und Steuerung der Verbrennung: Passiert das automatisch oder händisch? Bei modernen Pellet- und Hackschnitzelfeuerungen fließt die richtige Menge des Brennstoffs automatisch in die Brennkammer. Auch die Luftzufuhr und andere Einstellungen werden automatisch geregelt, so dass alles perfekt für eine saubere, effiziente Verbrennung aufeinander abgestimmt ist.

Ähnlich ist es bei Scheitholzvergaserkesseln und modernen Kaminöfen, nur dass hier das Brennholz mit der Hand nachgelegt werden muss. Die Regelung ist aber auch schon automatisiert. Beim klassischen Wohnzimmerofen ist allerdings alles Handarbeit und damit auch fehleranfällig.

Das Praktische an modernen Holzbrennstoffen wie Pellets, Hackschnitzeln und Holzbriketts, die man anstellen von Scheitholz im Ofen verfeuern kann, ist die Gleichförmigkeit. Ausgangsmaterial, Größe, Wassergehalt und andere Inhaltsstoffe sind über eine Norm festgelegt und müssen bei zertifizierter Ware, z.B. mit dem ENplus-Siegel, nachgewiesen werden. Die Steuerung der Verbrennung kann natürlich viel passender eingestellt werden, wenn der Brennstoff immer gleich ist. Das bedeutet eine höhere Wärmegewinnung bei weniger Asche. Viele Geräte lassen sich heute ganz einfach per App auch von unterwegs steuern.

Bild: Pelletkessel im Keller
Bedienung eines Pelletkessels | © DEPI

Was müssen Hausbesitzer vor dem Kauf einer Holzheizung bedenken?

Dass sie den richtigen Handwerker beauftragen! Da die Technik von Holzheizungen doch etwas komplexer ist, Holz ist schließlich ein Naturbrennstoff, raten wir dazu, nur besonders geschulte und erfahrene Heizungsbauer zu beauftragen.

Eigentlich kann jedes Haus mit Holz beheizt werden. Pellets sind natürlich besonders praktisch, platzsparend und sauber. Wenn vorher eine Ölheizung installiert war, reicht der Raum mit dem Öltank in der Regel für das Pelletlager aus. Es gibt aber auch verschiedene Fertiglagersysteme, die z.B. auf dem Dachboden, unterm Carport oder im Erdreich einen Platz finden können.

Gibt es Fälle, in denen eine Holzheizung nicht zu empfehlen ist?

Auf Anhieb fällt mir da kein Grund ein. Die Situation vor Ort ist immer ausschlaggebend. Daher ist es so wichtig, mit einem erfahrenen Heizungsbauer zusammenzuarbeiten, der sicherlich auch für räumlich schwierige Situationen eine Lösung hat.

Was auch zu bedenken ist, ist die Anlieferung der Pellets. Für eine Zentralheizung geschieht dies in loser Form per Lkw, für den muss natürlich genügend Platz vorhanden sein. Hierzu kann man aber auch den ENplus-Händler vor Ort in die Planung einbeziehen. Falls lose Ware nicht möglich ist, kann man auch auf praktische Pelletsäcke à 15 kg zurückgreifen. Für Pelletkaminöfen sind die sowieso die handlichste Lösung.

Bild: Förderung für Pellet-Heizungen
Holzfeuerungen werden mit bis zu 45 Prozent gefördert | © DEPI

Mit welchen Kosten muss ich rechnen, wenn ich mich für eine Holzheizung in einem üblichen Einfamilienhaus interessiere?

Das kommt drauf an! Ausschlaggebend ist der Wärmebedarf des Hauses und wie viel Komfort sich die Bewohner wünschen. Für ein Einfamilienhaus empfehle ich pauschal eine Pelletheizung, und zwar aus zwei Gründen: Der Betrieb ist weitgehend autonom, ich muss ein- bis zweimal im Jahr den Aschekasten leeren und den Heizungsbauer zur Wartung in den Keller lassen. Außerdem benötigen die kompakten Pellets für die gleiche Energiemenge weniger Platz als Hackschnitzel und viel weniger als Scheitholz.

Für Heizungsbetreiber im ländlichen Raum, die günstig oder sogar aus dem eigenen Wald an Brennholz oder Hackschnitzel kommen, die für die Aufbereitung Zeit und auch den Lagerraum haben, rechnen sich natürlich diese Heizungen eher. Für das Plus an Komfort kann man aber auch auf Kombigeräte setzen, die, sobald das Scheitholz verbrannt ist, automatisch auf Pelletbetrieb umstellen.

Mit der Förderung des Marktanreizprogramms von bis zu 45 Prozent ist man in der Regel eng beim Preisniveau für eine neue fossile Heizung. Wie gesagt, pauschale Summen lassen sich hier schlecht nennen, da ja Komponenten wie Pufferspeicher, Lager und Schornstein auch noch dazu kommen können.

Was die laufenden Kosten der Holzzentralheizungen angeht, sind die Beträge für Schornsteinfeger und Wartung im Grunde gleich. Die Brennstoffpreise machen den Unterschied und hier kommt es darauf an, ob ich regulär beim Brennstoff- oder Holzhändler bestelle oder mein Scheitholz bzw. meine Hackschnitzel selbst schlage oder aufbereite. Im Vergleich zu Heizöl waren Pellets in den letzten zehn Jahren durchschnittlich rund 30 Prozent günstiger. Gekauftes Scheitholz in guter Qualität kostet ungefähr so viel wie Pellets, Hackschnitzel sind noch einmal deutlich günstiger.

Bild: Zertifizierte Hachschnitzel
Für den Austausch der alten Ölheizung gibt es 45 Prozent Förderung | © DEPI

Anfang des Jahres wurden die Fördermittel für Heizungen, die erneuerbare Energien nutzen, aufgestockt. Wie viel Förderung bekomme ich für welche Holzheizung?

Ja klar, Holzheizungen sind ja erneuerbare Wärmeerzeuger. Über das MAP werden wasserführende Pelletkaminöfen, Pellet-, Hackschnitzel- und Scheitholzzentralheizungen sowie Kombikessel mit 30 Prozent und im Falle des Austauschs einer alten Ölheizung mit bis zu 45 Prozent bezuschusst. Das gilt nicht nur für die Heizung selbst, sondern auch für die Installation und alle Umfeldmaßnahmen und Zubehör (Pufferspeicher, Lager, Schornstein, ggf. Entsorgung alte Heizung und Öltank, Leitungen, Maurer- und Malerarbeiten). Das macht den Heizungstausch schon von Tag 1 an rentabel.

Luftgeführte Pelletkaminöfen, die also nicht an den Heizkreislauf angeschlossen werden, erhalten in diesem Programm keine Förderung. Es gibt aber weitere Förderprogramme auf Landes- und auch regionaler Ebene, die andere Geräte bezuschussen oder das MAP sogar aufstocken. Eine Übersicht gibt’s in unserer Förderbibel.

Wie siehst du die Zukunft von Holz als Brennstoff?

Wenn Deutschland die Klimaziele auch im Wärmemarkt erreichen will, kommt man um moderne Holzenergie nicht herum. Wir haben im Frühling 2020 die 500.000ste Pelletheizung eingeweiht und können problemlos aus den in Deutschland anfallenden Sägespänen 1 Million Anlagen nachhaltig und regional versorgen. Da ist also noch viel Luft nach oben!

Die neue MAP-Förderung hat den Markt für alle Holzheizungen 2020 gehörig angeschoben. So lange aber noch mehr neue Öl- als Pelletheizungen eingebaut werden, ist es mit den Klimazielen schwierig. Wir müssen im Gebäudebereich einerseits Energie sparen und andererseits die doch noch benötigte Energie klimaneutral erzeugen. Moderne Holzenergie ist dafür ein wichtiger Pfeiler!

Vielen Dank, liebe Anna, dass du dir die Zeit genommen hast, unsere Fragen so ausführlich zu beantworten!