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Bild: Altbau ohne moderne Wärmedämmung
Wärmebedarf und Dämmung sind entscheidend | © matthiasboeckel / pixabay.com CC0

Hallo Robert, danke, dass du uns ein paar Fragen beantwortest! Wenn wir von Altbauten im Zusammenhang mit Wärmepumpen sprechen, was ist damit eigentlich gemeint?

Unter Altbauten verstehen die einen wirklich alte, unrenovierte Häuser aus z. B. den 50er und 60er Jahren. Andere wiederum subsummieren unter diesem Begriff – meines Erachtens – alle Gebäude, die älter als 10 Jahre sind. In Bezug zur Wärmepumpe spricht man gemeinhin von Altbau, wenn aus energetischer Sicht das Gebäude veraltet ist, also eine entsprechende Wärmedämmung fehlt und das Heizungssystem eher auf hohe Vorlauftemperaturen mit Heizkörpern ausgelegt wurde.

Unter welchen Voraussetzungen macht eine Wärmepumpe im Bestandsbau Sinn?

Es gibt wohl wenig kontroversere Themen als den Einbau einer Wärmepumpe im Altbau. Dabei kommt es immer auf die Sichtweise an und die vermeintliche Wahrheit liegt meines Erachtens dazwischen. Die Wärmepumpen-Hardliner sagen, dass man eine Wärmepumpe in jedes Haus einbauen kann. Das stimmt auch, ist aber nicht gerade ideal, wenngleich sich vermutlich die Wärmepumpe in vielen Fällen noch rechnen dürfte.

Andere raten von einer Wärmepumpe im Altbau gänzlich ab, weil dies nicht effizient und ökologisch sei. Ich denke, dass man mit wenigen Anpassungen auch im Altbau mit Ökostrom oder eigener PV-Anlage gut, klimafreundlich und effizient heizen kann. Letztlich kann man auch auf eine Hybridwärmepumpe umsteigen, die dann in den Spitzen mit Gas zuheizt.

Bild: Milde Winter in Deutschland
Für das Klima hierzulande ausreichend | © heftiba / unsplash.com CC0

Häufig hört man, dass Wärmepumpen im Altbau nicht bzw. nur schwer die erforderlichen Vorlauftemperaturen erreichen. Ist das richtig?

Wärmepumpen können technisch heute auch sehr hohe Vorlauftemperaturen erreichen. Ob das sinnvoll ist, sei mal dahingestellt. Die Frage müsste aber eigentlich lauten: Brauche ich eigentlich so hohe Vorlauftemperaturen?

Ich denke, nein. Wir haben in Deutschland recht milde Temperaturen und nur an wirklich sehr wenigen Tagen richtige Minusgrade. Da kommt man über den Großteil des Jahres sicher mit max. 45° VL hin. Genau das ist übrigens auch eine Aussage der eingangs zitierten Studie des Fraunhofer ISE.

Gibt es Wärmepumpen, die sich besser oder schlechter für den Altbau eignen?

Das kann man so pauschal nicht sagen. Wie es so schön heißt: Das kommt auf die individuelle Planung an. Mit einem großzügig ausgelegten Erdwärmetauscher oder einer Luftwärme-Kaskade ist man vielfach schon auf der sicheren Seite. Zudem muss es ja nicht zwangsläufig nur monovalent sein. Man kann auch Solarthermie einbinden, im Winter je nach Geschmack und Verfügbarkeit mit Holz zuheizen oder eben auf eine Hybridheizung umstellen.

Bild: Kind spielt auf temperiertem Boden
Nicht alle Heizkörper eignen sich für Wärmepumpen | © Pxhere.com CC0

Ist eine Fußbodenheizung zwingend erforderlich?

Nein, aber sicher hilfreich. Man kann auch große Heizkörper mit für Wärmepumpen günstigen Vorlauftemperaturen betreiben. Kritisch wird es dann nur bei sehr kleinen Heizkörpern, beispielsweise in Fluren oder Bädern. Da sollte man an der einen oder anderen Stelle über einen Austausch nachdenken. Mehr zur Kombination von Wärmepumpe und Fußbodenheizung finden Sie hier.

Kann man sich die Anschaffung einer Wärmepumpe im Altbau fördern lassen?

Selbstverständlich! Der Bund bietet hierzu sehr attraktive Förderungen an!

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) hat zu Beginn des Jahres 2020 die Förderkonditionen im Marktanreizprogramm für erneuerbare Energien bedeutend verbessert. Der Einbau einer Wärmepumpe, egal ob im Neubau oder Altbau, wird mit 35 Prozent der förderfähigen Gesamtkosten bezuschusst. Wird eine alte Ölheizung durch ein hybrides Heizsystem mit Wärmepumpe getauscht, gibt es 40 Prozent von der BAFA dazu, beim Tausch der Ölheizung ausschließlich durch eine Wärmepumpenheizung, sind es sogar 45 Prozent.

Daneben gibt es noch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), die den Einbau von Wärmepumpen fördert. Hier besteht die Möglichkeit einen zinsgünstigen Kredit im Rahmen des Programms KfW 167 zu erhalten, der sich auch mit der BAFA-Förderung kombinieren lässt. Oder aber sie lassen eine Wärmepumpe im Rahmen einer Effizienzhaus-Sanierung einbauen, hierfür kommen wieder andere Programme der KfW in Betracht, die sich dann aber nicht mit der BAFA-Förderung verbinden lassen. In jedem Fall sind die Förderbedingungen für Wärmepumpen so gut wie noch nie!

Bild: Wohnen im Altbau
Die Wärmepumpe hat Zukunft - auch im Altbau | © Pxhere.com CC0

Mit Blick auf die Zukunft, wie schätzt du das Potential von Wärmepumpen in Altbauten ein?

Sehr groß. Ich denke, die Energieversorgung wird sich sehr stark elektrifizieren, sodass gerade die Wärmepumpe als ein einfaches und effizientes Heizsystem in Zukunft hinsichtlich Klimaschutz, Eigenverbrauch von Photovoltaik-Strom aber auch Netzdienlichkeit eine wesentliche Bedeutung bei der Dekarbonisierung der Wärmeversorgung einnehmen wird.

Danke, Robert, dass du deine Einschätzung mit uns zu dem Thema geteilt hast!